Inter Europol Competition gewinnt das chaotische 4-Stunden-Rennen der ELMS in Spa. Sechs Safety-Cars und zwei nachträgliche Disqualifikationen sorgten für einen wahren Ardennen-Krimi.
Der Oreca #43 von Jakub Smiechowski, Nick Yelloly und Tom Dillmann stand in Spa wieder ganz oben. Für Inter Europol Competition ist es der erste ELMS-Sieg seit Le Castellet 2024. Das Trio hatte zuvor schon die LMP2-Klasse der 24h Le Mans gewonnen – zum zweiten Mal in Folge. In der ELMS warteten sie dagegen seit Monaten auf den nächsten großen Erfolg.
Die eigentliche Show lieferte aber nicht nur die Strecke mit ihrer eindrucksvollen Kulisse. Gleich zwei Fahrzeuge verloren nach der Zielflagge ihre Podestplätze. Das Ergebnis wurde dadurch mehrfach umgeschrieben.

Sechs Safety-Cars stellen Inter Europol vor eine harte Prüfung
Das Rennen begann turbulent. Jamie Chadwick startete als erste Frau überhaupt einen ELMS-Lauf von Startreihe eins aus, nachdem Teamkollege Valerio Rinicella die Pole geholt hatte. Sie führte zunächst kurz, verlor die Spitze aber schon in der Anfangsphase. Im Gemenge der Startphase touchierte Bijoy Garg den Fahrer Griffin Peebles beim Bremsen und kassierte dafür eine 10-Sekunden-Strafe. Kurz danach flog Alex Bukhantsov mit dem LMP3-Ligier #13 in die Reifenstapel. Es war erst das erste von sechs Safety-Cars an diesem Nachmittag.
Die Unfallserie riss nicht ab. Ein Dreher von Georgios Kolovos brachte das Virtual Safety Car zum Einsatz. Ein Crash zwischen Kessel Racing und High Class Racing in Kurve 7 folgte kurz danach. Wenig später kollidierten der Kessel-Ferrari #57 und der Team-Virage-Ligier #8 gemeinsam in Kurve 12 – fast gleichzeitig drehte sich der Aston Martin von Racing Spirit of Léman in Kurve 9. Zur Rennhalbzeit schlug Custodio Toledo mit seinem Ferrari #50 hart ein, nachdem ihn ein LMP2-Fahrzeug abgeschossen hatte. Die Marshals brauchten 15 Minuten für die Bergung.
Erst danach wurde das Rennen für einen kurzen Moment ruhiger. Nick Yelloly übernahm die Führung in der #43, gejagt von Vlad Lomko im Vector-Sport-Oreca #10. Beim letzten Boxenstopp verschaffte sich Inter Europol den entscheidenden Vorteil: ein zehn Sekunden schnellerer Halt spülte Tom Dillmann zurück an der Spitze. Pietro Fittipaldi kam bis auf zwei Sekunden heran, mehr blieb ihm nicht. Der #43er Oreca von Inter Europol gewann mit 3,3 Sekunden Vorsprung.

Doppel-Strafe wirbelt das Ergebnis durcheinander
Der zweite Platz von Vector Sport hielt keine 24 Stunden. Fittipaldi hatte die Mindestfahrzeit mit 1:15,791 Minuten unterschritten. Die Stewards verhängten eine Strafe von 1:50,791 Sekunden – Vector Sport fiel auf Rang 17 in der Gesamtwertung zurück. Forestier Racing by Panis rückte auf Platz zwei vor, IDEC Sport auf Platz drei.
Auch in der LMP3-Klasse gab es eine Disqualifikation. Mikkel Gaarde Pedersen fuhr im Rinaldi-Racing-Ligier #5 mit 54 Sekunden Vorsprung zum vermeintlichen Sieg. Die Nachkontrolle ergab jedoch einen Tank mit 1,5 Liter mehr Sprit als erlaubt. CLX Motorsport erbte damit den Klassensieg vor R-ace GP Duqueine und Eurointernational.
In der LMP2-Pro/Am-Kategorie lieferten sich Matthieu Vaxiviere (AF Corse #83) und Louis Delétraz (AO by TF #99) ein knallhartes Duell. Delétraz griff am Ende der Kemmel-Geraden an, Vaxiviere verteidigte – beide Autos berührten sich beim Bremsen in Les Combes. Delétraz drehte sich, Vaxiviere rettete seine Führung über die Ausweichspur. Am Ende trennten nur 3,3 Sekunden den AF Corse-Boliden vom zweitplatzierten Algarve Pro Racing.

GR Racing nach elf Jahren wieder mit ELMS-Sieg
Für die Mannschaft von GR-Racing endete in Spa ein langer Leidensweg. Mike Wainwright, Mex Jansen und Lorcan Hanafin holten für das Team den ersten ELMS-Sieg seit 2015. Der Ferrari mit der Startnummer 86 kam nur 2,7 Sekunden vor dem Proton-Competition-Porsche #77 ins Ziel. Das Team Qatar by Iron Lynx rundet mit dem Mercedes-AMG #62 das Podium ab. Trotz vier Stunden Renndistanz trennten am Ende nur zehn Sekunden die drei besten LMGT3-Fahrzeuge.
Bilder © Endurance-Archive (Walter Schruff)

