Eine traumhafte Bergkulisse, ein FIA‑Grade‑3‑Layout und Potenzial für Langstrecken-Motorsport prägen den neuen A1 Motor Park in Bulgarien.
Der europäische Strecken-Vielfalt bekommt Zuwachs – diesmal jedoch nicht irgendwo zwischen Atlantik und Nordsee, sondern tief im Rila‑Gebirge südlich von Sofia. Mit dem A1 Motor Park ist in Samokov vor wenigen Wochen eine neue Rennstrecke an den Start gegangen, die nicht nur für Bulgarien, sondern für die gesamte Balkanregion motorsportlich Neuland bedeutet.
Auf 3,9 Kilometern, eingerahmt von Bergen und oft noch schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund, trifft modernes Streckendesign auf eine Kulisse, die man im GT‑ oder Tourenwagen‑Sport bislang eher mit Ski‑WM als mit Boxenstopps verbindet.
Der Kurs selbst wirkt wie ein Statement gegen die beliebigen „Asphaltwüsten“ der vergangene Jahre. Es warten 15 Kurven, kaum Füllpassagen, eine rund 900 Meter lange Gerade und ein Layout, das von der ersten Installationsrunde an nach „Fahrerstrecke“ aussieht.
Ein Layout mit Langstrecken-DNA
Vor allem der letzte Sektor mit seinen technischen Kombinationen fordert Rhythmus und Präzision – genau jene Zutaten, die über Stunden hinweg den Unterschied zwischen kontrollierter Pace und schleichendem Zeitverlust ausmachen. Auf der langen Geraden dürfen GT‑Fahrzeuge knapp an die 280 km/h heran, bevor es bergab in die erste Bremszone geht.
Dass der A1 Motor Park nach FIA‑Grade‑3‑ und FIM‑Grade‑B‑Standard gebaut wurde, merkt man den Auslaufzonen und der Infrastruktur an. Hier ist kein ambitionierter „Trackday‑Ring“ entstanden, sondern eine Strecke, die von Beginn an für ernsthaften Wettbewerb gedacht ist. Besonders spannend ist zudem die Einordnung im Langstrecken‑Kontext.

Mit seiner Homologation öffnet der A1 Motor Park die Tür für GT‑Langstreckenrennen, nationale und regionale Serien sowie Markenpokale mit 2‑ bis 8‑Stunden‑Formaten. Die Charakteristik passt: Die technische Mittel‑ und Schlusssektion belohnt sauberes Reifen‑ und Verkehrmanagement, während die lange Gerade ein klarer Überholpunkt bleibt, an dem sich Mehrklassen‑Felder sortieren können.
Gerade auf Dauer dürfte der Kurs jene Teams belohnen, die ihr Paket nicht nur auf eine schnelle Quali‑Runde, sondern auf konstante Rundenzeiten im dichten Verkehr ausgelegt haben. Erste Referenzzeiten um die 1:31 Minuten zeigen, dass das Layout für moderne GT‑Fahrzeuge ausreichend Tempo bereithält, ohne in reine High‑Speed‑Monotonie zu verfallen.
Das motorsportliche Zentrum für den Balkan
Für die Region hat der A1 Motor Park eine Bedeutung, die über die bloße Zahl neuer Streckenkilometer hinausgeht. Bulgarien verfügt damit über seine erste voll homologierte, international anschlussfähige Rennstrecke – und die Balkanhalbinsel insgesamt gewinnt einen Schauplatz, den es bisher in dieser Form nicht gab.
Teams aus Südosteuropa mussten für Testprogramme und Langstrecken‑Auftritte bislang weite Wege nach Mitteleuropa in Kauf nehmen. Samokov bietet ihnen nun einen „Home Track“, der logistisch erreichbar ist und gleichzeitig hoch genug hängt, um auch internationale Serien anzulocken. Boxengebäude, Race Control, Hospitality und Zuschauerkapazitäten im fünfstelligen Bereich unterstreichen den Anspruch, mehr zu sein als nur ein weiterer Punkt für Trackday‑Kalender.

Dass eine neue Strecke 2026 überhaupt eröffnet, ist für sich genommen schon bemerkenswert. In vielen europäischen Ländern dominieren Debatten über Lärmschutz, Nutzungseinschränkungen oder drohende Schließungen traditionsreicher Anlagen. Vor diesem Hintergrund wirkt der A1 Motor Park fast einmalig. Ein bewusst gesetztes Signal, dass Motorsport seinen Platz haben kann, wenn moderne Sicherheits‑ und Umweltstandards von Anfang an mitgedacht werden. Abgerundet wird das Gesamtpaket durch eine traumhafte Bergkulisse, welche auf TV‑Bildern sofort wiedererkennbar sein dürfte.
Für den Langstrecken‑Sport ist der A1 Motor Park deshalb weniger eine Randnotiz, sondern eher eine offene Einladung. Noch stehen konkrete 4‑, 6‑ oder 8‑Stunden‑Rennen auf GT‑Niveau am Anfang der Diskussion. Aber die nötigen Zutaten sind alle da. Es wartet eine Region mit motorsportlichem Nachholbedarf und eine Strecke, die 2026 genau das verspricht, was im dicht gepackten europäischen Kalender selten geworden ist – echter Neuland‑Charakter.
Bilder © A1-Motorpark (LTHProductions – Thoussaint Liam)

