Forestier Racing stiehlt Nielsen den ELMS-Auftakt

29 ROUSSET Louis (FRA), GRAY Oliver (GBR), MASSON, Esteban (FRA), FORESTIER RACING BY PANIS, #29, Oreca 07 - Gibson, LMP2, action during the 4h of Barcelona, Round 1 of the 2026 European Le Mans Series, from April 9th to 12th on the Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo, Barcelona, Spain - Photo Marcel Wulf / European Le Mans Series - FocusPackMedia

Die European Le Mans Series (ELMS) ist mit einem intensiven, von Zwischenfällen geprägten Saisonauftakt in Barcelona gestartet. Am Ende jubelte der Titelverteidiger: Forestier Racing by Panis trotz mehrerer Strafen.

Schon auf den ersten Metern wurde klar, dass die 4 Stunden von Barcelona kein Spaziergang werden. In der LMP2-Pro/Am-Gruppe drehte sich der Proton-Oreca mit der Startnummer 9 von Jonas Ried quer über die Strecke und wurde von Giorgios Kolovos im CLX-Motorsport-Oreca getroffen. Kurz darauf rutschte auch der Nielsen-Racing-Oreca #27 in die Szene hinein. Parallel dazu verlor Antti Rammo im DKR-Ligier beim Anbremsen von Kurve 1 die Kontrolle, rutschte über die Kerbs und räumte zwei weitere LMP3-Fahrzeuge ab – alle drei blieben im Kies stecken.

Die Rennleitung reagierte zunächst mit dem Safety Car, wenig später folgte die rote Flagge, um Fahrzeuge zu bergen und die Strecke zu säubern. Kolovos klagte nach dem Aussteigen über Rückenschmerzen, wurde vorsorglich auf einer Trage abtransportiert und ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte diagnostiziert einen Bruch des L2-Wirbels – der Grieche ist stabil und steht unter Beobachtung. Die übrigen beteiligten Piloten konnten das Medical Centre nach Checks wieder verlassen. Die knapp 25 Minuten Unterbrechung wurden nach dem Restart auf die Renndistanz aufgeschlagen.

LMP§ Race start during the 4h of Barcelona, Round 1 of the 2026 European Le Mans Series, from April 9th to 12th on the Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo, Barcelona, Spain - Photo Marcel Wulf / European Le Mans Series - FocusPackMedia
Der Start des ersten ELMS-Rennens 2026 in Barcelona.

Strafenfestival für Forestier Racing

Beim Restart führte zunächst der Inter-Europol-Oreca #34 mit Bijoy Garg, vor Louis Rousset im Forestier-Oreca #29. Doch das blieb nicht lange so denn für die Titelverteidiger folgten gleich mehrere Strafen am Stück. Zunächst kassierte Rousset eine Drive-Through-Strafe wegen eines Fehlers beim Startprozedere und fiel im Klassement zurück. Später kamen zwei Zehn-Sekunden-Strafen hinzu – einmal wegen Missachtung der Anweisungen des Rennleiters in Kurve 2, außerdem wegen Überholens außerhalb der Track Limits.

Vorne übernahm zwischenzeitlich der United-Autosports-Oreca #22 mit Griffin Peebles die Spitze, nachdem der Australier Garg in Kurve 13 überholte. Auch im LMP2-Pro/Am-Feld ging es eng zu: Giorgio Roda (Duqueine Team) und PJ Hyett (AO by TF) duellierten sich rundenlang um die Führung, bis sich Roda kurz vor Ende der ersten Stunde in Kurve 3 verbremste und Hyett vorbeiließ. Ein Abflug des IDEC-Sport-Orecas #28 von Paul Lafargue in Kurve 5 führte zunächst zum Virtual Safety Car und anschließend erneut zum Safety Car.

Langer Weg zur Spitze und dramatische Schlussphase

Nach weiteren Neutralisationen – unter anderem nach einem Kontakt zwischen dem AO-by-TF-Oreca #99 und dem IDEC-Sport-Oreca #28 – sortierte sich das Feld allmählich. Als das Rennen in die letzte Stunde einbog, lag plötzlich der Nielsen-Racing-Oreca #24 mit Jack Doohan an der Spitze, rund elf Sekunden vor Ben Hanley im United-Autosports-Oreca #22, Esteban Masson im Forestier-Oreca #29 und Reshad De Gerus im Inter-Europol-Oreca #34. Inter Europol spielte derweil eine alternative Strategie: De Gerus blieb länger draußen, baute einen Vorsprung von rund 40 Sekunden auf und kam erst spät zum Splash-and-Dash.

In der Schlussphase nutzte Masson den Verkehr perfekt, arbeitete sich zunächst auf Platz zwei vor und nahm anschließend die Verfolgung des führenden Inter-Europol-Orecas auf. De Gerus konnte den Nielsen-Racing-Oreca von Doohan nicht mehr hinter sich halten und fiel auf Rang drei zurück. Doch das Drama war noch nicht vorbei: Auf der letzten Runde brach am führenden Nielsen-Oreca ein Querlenker, Doohan schleppte sich nur noch langsam um den Kurs.

Masson nutzte die Gelegenheit, übernahm und sah schließlich als Gesamtsieger die Zielflagge in Barcelona – ein kaum erwarteter Auftaktcoup für Forestier Racing by Panis trotz dreifacher Strafe und schwieriger Anfangsphase. De Gerus im Inter-Europol-Oreca #34 und Hanley im United-Autosports-Oreca #22 komplettierten das Podium.

20 JENSEN Michael (DEN), TRULLI Enzo (ITA), JAKOBSEN, Malthe (DEN), ALGARVE PRO RACING, #20, Oreca 07 - Gibson, LMP2 PRO/AM, action during the official Test days of the 2026 European Le Mans Series, from April 4th to 5th on the Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo, Barcelona, Spain - Photo Marcel Wulf / European Le Mans Series - FocusPackMedia
Algarve Pro Racing holte im blauen LMP2-Boliden den Pro/Am-Sieg.

Siege für Algarve Pro Racing und Rinaldi Racing

In der LMP2-Pro/Am-Klasse setzte sich nach einer turbulenten Distanz Algarve Pro Racing durch. Das Team profitierte von Fehlern und Zwischenfällen der Konkurrenz und holte vor AF Corse und Duqueine Team den Klassensieg.

Im Rennverlauf spielte sich zudem AO by TF immer wieder nach vorn, verlor jedoch durch die Kollision von Dane Cameron im Oreca #99 mit dem IDEC-Sport-Oreca #28 in Kurve 11 alle Chancen auf den Sieg. Ganz am Ende drehte Malthe Jakobsen im APR-Oreca #20 noch richtig auf, arbeitete sich durch das Feld und brachte das Auto 19 Sekunden vor dem AF-Corse-Oreca #83 von Antonio Fuoco ins Ziel. Der Duqueine-Oreca #30 folgte mit weiteren sechs Sekunden Rückstand.

In der LMP3 gab es über weite Strecken einen engen Mehrkampf zwischen mehreren Teams. Zunächst führte Douwe Dedecker im Eurointernational-Ligier #11 vor Pierre-Alexander Provost im R-ace-GP-Duqueine #85 und Alvise Rodella im Rinaldi-Ligier #5. Im Ziel jubelte aber Rinaldi Racing. Mikkel Gaarde Pedersen brachte den Ligier #5 mit elf Sekunden Vorsprung auf den R-ace-GP-Duqueine ins Ziel. Der Inter-Europol-Ligier #13 komplettierte die Top-3, 2,3 Sekunden hinter dem Duqueine.

LIETZ, Richard (AUT), PROTON COMPETITION, Porsche 911 GT3 R LMGT3, #75, LMGT3, portrait, SARGENT, Thomas (USA), PROTON COMPETITION, Porsche 911 GT3 R LMGT3, LMGT3, portrait during the 4h of Barcelona, Round 1 of the 2026 European Le Mans Series, from April 9th to 12th on the Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo, Barcelona, Spain - Photo JAN PATRICK WAGNER / European Le Mans Series - FocusPackMedia
Porsche bestritt das erste Saisonrennen in einer historischen Silber-Lackierung.

LMGT3: Porsche-Sieg im historischen Design

Auch in der LMGT3-Klasse wurde einiges geboten – inklusive einer emotionalen Siegesstory für Porsche. Proton Competition setzte sich hier am Ende mit der Startnummer 75 durch. Tom Sargent überquerte die Ziellinie im Porsche 911 knapp drei Sekunden vor dem United-Autosports-McLaren 720S #23. Die besondere Note: Die Proton-Lackierung erinnert an den ersten Klassensieg von Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans 1951.

Zuvor hatte Abdulla Ali Al-Khelaifi im Mercedes-AMG #62 das Tempo bestimmt, bevor er an Julian Hanses übergab, der sich gegen den heranstürmenden Porsche von Richard Lietz wehren musste. Lietz fand zwar keinen Weg vorbei, bereitete aber den Boden für Sargents Schlussstint. Eine spätere Kollision zwischen der TF-Sport-Corvette #33 und dem GR-Racing-Ferrari #86, in die auch die Kessel-Ferrari #74 verwickelt war, brachte weitere Unruhe und ein Full Course Yellow ins Rennen.

In der Schlussphase schnappte sich Daniel Serra im Kessel-Ferrari #57 noch den letzten Podiumsplatz und machte damit den Markenmix Porsche–McLaren–Ferrari auf dem Treppchen perfekt.

Die finalen Ergebnisse aller Teilnehmer gibt es hier zum nachlesen.

Bilder © Marcel Wulf & Jan Patrick Wagner – FocusPackMedia via European Le Mans Series Pressematerial