ALMS-Rückblick 25/26: Wüsten-Finale, Titel‑Drama und Le‑Mans‑Tickets

Start von LMP2-Fahrzeugen

Die Asian Le Mans Series (ALMS) hat in Dubai und Abu Dhabi noch einmal gezeigt, warum sie längst mehr ist als nur der “kleine Ableger” der WEC. Wir blicken zurück auf die Saison 25/26.

Was in der Wüste entschieden wurde

Als sich der Tross der Asian Le Mans Series aus Sepang verabschiedete und in Richtung Dubai und Abu Dhabi aufbrach, war die Saison scheinbar bereits entschieden. Doch was dann folgte, war genau das, was Langstrecken‑Fans lieben – ein Spannungsbogen vom dominanten Titelrun bis zum Zitterfinale, mit all den kleinen Brüchen und Zufällen.

Das Rekordfeld, die Dichte an Profis und Werksfahrern sowie die Aussicht auf die Le‑Mans‑Wildcards hoben das sportliche Gewicht deutlich an. Wer hier in den Emiraten unter die Top‑Teams wollte, brauchte Nervenstärke, gute Planung und viel Glück.

Dubai: Der Doppelerfolg von CrowdStrike Racing

In Dubai zwängten sich 48 Fahrzeuge mit 142 Fahrer aus 35 Nationen durch das Autodrom, ein Rekordfeld, das in den vier Stunden praktisch jede Runde eine andere Konstellation im Verkehr bot. Gerade auf diesem Kurs wurde deutlich, wie brutal der Mix aus Prototypen und GT3 für die Fehlerquote sein kann, wenn die Abstände auf der Strecke zu gering sind.

CrowdStrike Racing by APR machte hier ernst: Der Oreca mit George Kurtz, Malthe Jakobsen und Louis Delétraz setzte mit einem Doppelsieg in der Wüste ein fettes Ausrufezeichen in Richtung Titel. Pace, Strategie und ein fast schon unverschämt sauberes Überrundungsmanagement legten den Grundstein für den späteren LMP2‑Coup. Beide Rennen konnte die Mannschaft für sich entscheiden und im Meisterschaft-Duell direkt mit Cetilar Racing gleichziehen.

Hinter ihnen tobte in allen Klassen das, was die Serie seit Jahren auszeichnet. Wer nur “Kilometerschrubben” erwartet hatte, bekam ein permanentes Gerangel um Track Position, FCY‑Fenster und Reifenzustand serviert.

GT und LMP3: Zwischen Risiko und Konstanz

Im GT‑Feld war Dubai der Ort, an dem sich die Meisterschaft in die Köpfe der Protagonisten fräste. Kessel Racing mit Dustin Scott Blattner, Chris Lulham und Dennis Marschall mussten sich hier erstmals entscheiden, welchen Kurs sie einschlagen: volles Risiko auf den Einzelsieg oder der lange Blick auf die Punkte. Mehr als einmal entschieden Boxenfenster und ein verspäteter Splash‑and‑Dash in den letzten Rennminuten über Sieg oder Podium, während im Hintergrund schon gerechnet wurde, ob das für den großen Wurf in Abu Dhabi reichen könnte.

Gleichzeitig zeigte die LMP3 mit den künftigen Titelträgern von CLX Motorsport, dass Konstanz auch in einem Feld mit den neuen LMP3‑Gen3‑Fahrzeugen mehr wert sein kann als spektakuläre Einzelauftritte. Während sich andere Programme an Set‑up‑Fenstern und Kinderkrankheiten der neuen Autos abarbeiteten, lieferte CLX über das Wochenende konstant solide Stints ab. Das war nicht immer spektakulär, aber im Saisonkontext Gold wert. So entstand in der „kleinen“ Prototypenklasse ein Meisterschaftsbild, das weniger vom großen Knall, sondern von sauberer Detailarbeit geprägt war.

Abu Dhabi: Titel, Druck und Nervenkitzel

Abu Dhabi brachte dann den Schlusspunkt der kompakten ALMS-Saison. Die Strecke war eine echte Brennkammer, in der die Meisterschaften in Echtzeit durchgerechnet wurden. Yas Marina mit seiner Mischung aus schnellen Passagen, engen Infield‑Sektionen und Nachtrhythmus stellte in beiden Rennen ganz andere Anforderungen an Reifen, Bremsen und Konzentration als Dubai. Dazu kam der mentale Druck, dass jeder Fehltritt im Dunkeln die gesamte Winterarbeit zunichtemachen konnte.

Im ersten 4‑Stunden‑Rennen von Abu Dhabi setzte CrowdStrike Racing by APR ihre Performance aus Dubai fort. Vorne dabei, taktisch fehlerfrei und mit dem Wissen, dass jeder Punkt das Le‑Mans‑Ticket greifbarer macht. Als DKR Engineering den finalen Lauf gewann und die Startnummer 4 „nur“ auf Rang acht ins Ziel kam, war der Titel trotzdem eingetütet. Die Serie krönte damit nicht nur ihre LMP2‑Champions, sondern schrieb gleich mehrere Geschichten. Der nächste ALMS‑Titel für Algarve Pro Racing (APR) ist zugleich der zweite für Kurtz, der dritte für Jakobsen.

Parallel sicherten sich CLX Motorsport, trotz Renn‑DNF nach Kontakt im Finale, mit genügend Vorsprung die LMP3‑Krone, während Kessel Racing in einem nervösen, von Strategien zerschnittenen GT‑Rennen gerade so den Punktvorteil gegenüber BMW Team WRT über die Linie rettete.

ALMS 25/26: Eine Reifeprüfung für Teams und Serie

Über die Saison hinweg erzählte die Asian Le Mans Series (ALMS) damit eine sehr moderne Langstrecken‑Geschichte. Auf der Habenseite standen das Rekordfeld, eine Fahrerpaarungs‑Dichte, die man vor ein paar Jahren eher in WEC und ELMS erwartet hätte, und eine Meisterschaft, die bis in die letzten Rennminuten offen blieb. Viele Teams nutzten die Wintermonate als Generalprobe für größere Programme, testeten Fahrer‑Line‑ups und Abläufe im scharfen Wettbewerb, anstatt nur privat zu testen.

Auf der anderen Seite wurden auch die Schattenseiten sichtbar. Gerade in Dubai führten die Kombination aus enormem Traffic, die Mischung aus Profis, Rookies und ambitionierten Gentlemen sowie das enge Reglement zu mehreren Situationen wo Gelbphasen, Kontakte und Strafen das Bild prägten. In Abu Dhabi verschob sich der Fokus dann stärker auf Strategie und Nervenstärke, aber auch dort blieb die Fehlerquote hoch, sobald der Druck im Titelkampf anstieg.

Wer die Saison 2025/26 in einem Satz zusammenfassen will, landet irgendwo zwischen „sportlichem Reifezeugnis“ und „Stresstest“ für alle Beteiligten.

Le Mans im Blick: Was die Wildcards bedeuten

Der eigentliche Clou der ganzen Geschichte liegt aber, wie immer, am Ende der Nahrungskette: die Wildcards für Le Mans. Die LMP2‑Meister von CrowdStrike Racing by APR und die GT‑Champions von Kessel Racing dürfen sich nun in die Startliste der 24 Stunden von Le Mans einreihen. Das ist einer der Gründe, warum das Starterfeld der ALMS 25/26 so voll war. Für die beiden Meister ist die Wildcard mehr als nur ein Bonus‑Startplatz: Es ist ein Qualitätssiegel für die gesamte Organisation.

Für das Ferrari‑GT‑Programm bedeutet der Sprung an die Sarthe zugleich eine Bühne, auf der Kundenteams, Hersteller und potenzielle Partner genau hinschauen. In der LMP2 trifft das APR‑Trio auf die geballte Erfahrung der ELMS‑Stammkräfte. Doch wer gesehen hat, mit welcher Selbstverständlichkeit sie in Dubai und Abu Dhabi ihr Programm abgespult haben, werden sie sich in Le Mans keinesfalls nur im Mittelfeld einsortieren. Eher wirkt es so, als hätten beide Teams in der Asian Le Mans Series schon einmal im Kleinen geprobt, was sie an der Sarthe im Großen erwartet.

Ausblick: Von der Wüste an die Sarthe

So schließt sich für diese Asian‑Le‑Mans‑Saison der Kreis. Sepang hat die Basis gelegt, Dubai das Feld gesiebt, Abu Dhabi die Titel verteilt. Le Mans ist nun der Ort, an dem sich zeigen wird, wie viel von diesem Wüsten‑Momentum bis nach Frankreich trägt. Für alle, die die Serie in den Wintermonaten verpasst haben, gilt: Die Punktetabellen erzählen nur die halbe Wahrheit. Die ALMS-Rennen in dieser Saison waren so hektisch, unplanbar und eindrucksvoll wie selten zuvor.

Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass die Rolle der Asian Le Mans Series im globalen Langstreckengefüge weiter wachsen wird. Die Saison 2026/27 bringt erstmals private Hypercars und damit eine zusätzliche Klasse in eine der „WEC-Juniorserien“. Größere Felder, stärkere Fahrerpaarungen und der direkte Draht nach Le Mans machen sie zu einem Pflichttermin für aufstrebende Programme. Wer in den nächsten Jahren im Juni an der Sarthe mitreden will, kommt an der ALMS kaum noch vorbei.

Titelbild © Endurance Archive