Für Julian Hanses zählt ein Start bei den 24 Stunden von Le Mans seit Jahren zu seinen größten Karrierezielen. 2026 wird dieser Traum Wirklichkeit: Der 28-Jährige geht im Mercedes-AMG LMGT3 mit der Startnummer 62 für das Team Qatar by Iron Lynx an den Start.
Hanses und Abdulla Al-Khelaifi verbindet bereits seit längerer Zeit eine enge Zusammenarbeit. Das Duo bestreitet sowohl die diesjährigen 24 Stunden von Le Mans als auch die European Le Mans Series gemeinsam. Für das Saisonhighlight kommt Giuliano Alesi dazu. Für Hanses ist eine stabile und vertrauensvolle Partnerschaft ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Langstreckensport.
“Im Motorsport hat es sich dahin entwickelt, dass vieles immer noch auf ein Jahr fokussiert ist. Die meisten Fahrer fahren ein Jahr hier und ein Jahr da. Es ist sehr viel Sprunghaftigkeit im Allgemeinen. Wir aber arbeiten seit drei Jahren zusammen, und das schafft ein gewisses Basis. Abdulla und ich kennen uns gut, wir sind sogar richtige Freunde geworden, und wir können dadurch tiefer sprechen als manch andere Teamkollegen.”
Mit seinem Debüt bei den 24 Stunden von Le Mans erfüllt sich Hanses einen lang gehegten Traum. Die Freude über die Nachrichten war dementsprechend groß: “Le Mans war schon immer auf meine Bucket-List. Ich habe das Rennen immer zusammen mit meinem Vater geschaut, und wir hatten beide Tränen in den Augen, als wir gehört haben, dass ich hier starte. Wir arbeiten seit 20 Jahren zusammen darauf hin. Es war auf jeden Fall ein sehr emotionaler Moment.”

“Ich bin hierhergekommen und bin die ersten Runden gefahren und dachte mir, ich will nirgendwo mehr anders fahren,” erzählt der Mercedes-Fahrer. “Und dann am Mittwoch bin ich im Dunkeln gefahren und habe gedacht, ich habe eigentlich alles erlebt, was ich im Leben erleben möchte. Das war unbeschreiblich, der Peak meines Lebens bisher.”
Wenn es um seinen Lieblingsabschnitt an der Strecke geht, Hanses ist sich sicher: “Ich mag eigentlich die Passagen, in denen man am Limit ist, der Adrenalinspiegel steigt und man alles geben muss, um schnell zu sein. Von daher sind es auf jeden Fall die Porsche-Kurven, die ich am meisten mag. Da habe ich das größte Grinsen im Gesicht, wenn ich dadurch fahre.”
Mit Blick auf das diesjährige Rennen zeigt sich der 28-Jährige mit der bisherigen Leistung zufrieden – insbesondere vor dem Hintergrund, dass keiner der drei Fahrer des Teams zuvor in Le Mans angetreten ist: “ Wir sind ein komplett Rookie-Setup, deswegen streben wir vor allem an, so viel Erfahrung wie nur möglich zu sammeln. Wenn eine gute Position dabei rumkommt – und der Speed ist dafür da –, dann ist das umso schöner. Aber wir wissen auch, Le Mans sucht sich immer den Sieger aus. Also werden wir uns einfach darauf fokussieren, so wenig Fehler wie möglich zu machen und keine Strafen zu bekommen. Das ist für uns das Ziel.”
Nach Le Mans wird Hanses die verbleibenden Rennen der ELMS-Saison in Imola, Spa-Francorchamps, Silverstone und Portimão bestreiten. Darüber hinaus kann sich der Deutsche weitere Renneinsätze durchaus vorstellen.
“FIA WEC wäre ein Riesen-Traum, wenn es klappen würde. Ich habe in meiner Karriere viele Hochs und Tiefs erlebt, manche falsche Entscheidungen getroffen. In den letzten Jahren ging es aber ständig aufwärts. ELMS für die komplette Saison war schon eine sehr schöne Überraschung, dazu macht Le Mans die Sache noch schöner. Zukünftig in der WEC zu starten wäre unglaublich, aber ich bin erstmal dankbar für den ganzen Support hier. Man muss einfach jeden Moment genießen, wie er ist, und das große Bild sehen.”
Bilder © Endurance Archive (Walter Schruff)

