Vor fast 85.000 Zuschauern setzte sich in São Paulo der BMW Nummer 15 von Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor durch. Auf den Plätzen zwei und drei folgten der Ferrari #51 sowie der Cadillac #12 – weniger als sieben Sekunden trennten das gesamte Spitzentrio am Ziel.
Den entscheidenden Grundstein legte BMW bereits in der Anfangsphase. Magnussen schob sich in der elften Runde an Earl Bamber im Cadillac #38 vorbei und machte sich umgehend auf die Jagd nach Polesetter Will Stevens. Als die #12 beim ersten Boxenstopp durch einen Radmutterverlust kostbare Zeit einbüßte, übernahm der BMW die Nettoführung und gab sie nicht mehr her.
Alpine setzt auf Strategie, BMW bleibt vorn
In der dritten und vierten Stunde entwickelte sich ein faszinierendes Strategiespiel. António Félix da Costa führte den Alpine #35 über weite Abschnitte des mittleren Renndrittels mit versetztem Stopp-Rhythmus an der Spitze. Marciello baute im BMW hinter ihm kontinuierlich Druck auf und lieferte sich mit da Costa ein unterhaltsames Duell. Erst als die Franzosen kurz vor der fünften Stunde auf Charles Milesi wechselten, übernahm der BMW die Nettospitze endgültig.
Der Ferrari #51 rückte in dieser Phase näher ans Geschehen heran. Alessandro Pier Guidi hatte das Spitzenduo auf wenige Sekunden herangezogen. Kurz nach dem Fahrerwechsel sammelte James Calado jedoch unfreiwillig ein Werbeschild am Streckenrand auf und bekam dieses nicht mehr vom Fahrzeug los. Das kostete den Ferrari wertvolle Zeit im Rennen, brachte diesen aber nicht aus dem Rhythmus.
Vanthoor hält das Trio auf Distanz
In der Schlussphase übernahm Dries Vanthoor das Steuer des BMW. Mit dem Ferrari #51 und dem sich zurückkämpfenden Cadillac #12 im Rücken verwaltete der Belgier die Führung bis zur Ziellinie. Calado, Giovinazzi und Pier Guidi holten als Zweite das bislang beste Saisonergebnis für die amtierenden Weltmeister. Stevens komplettierte das Podium auf Rang drei – ganze zwölf Monate nach dem letzten Podestplatz für Cadillac in der WEC.
Toyota hingegen erlebte das härteste Wochenende der bisherigen Saison. Beide GR010 Hybrid fanden in Interlagos kein Tempo. Die #7 beendete das Rennen auf Rang zwölf, die #8 verlor nach einer Kollision mit dem Genesis #17 mehr als zehn Runden in der Box. Alpine blieb trotz teils starker Leistung mit einem einzigen Punkt für Rang zehn ebenfalls weit hinter den Erwartungen zurück.
In der Meisterschaft teilen sich die BMW-Sieger aus Brasilien nun die Führung mit den Le-Mans-Siegern von Toyota. Vier Rennen vor Schluss ist im WM-Kampf nun wieder alles offen.
Corvette siegt erneut in der LMGT3
In der GT3-Klasse feierte die #34 vom Racing Team Turkey by TF rund um Salih Yoluç, Peter Dempsey und Charlie Eastwood einen verdienten Sieg. Es ist der zweite Erfolg in kurzer Zeit für die Mannschaft. Die Entscheidung fiel über die Strategie: Yoluç startete als Silver-Fahrer, Dempsey übernahm und fuhr zwei fehlerfreie Stints, ehe Eastwood das Fahrzeug für die Schlussphase übernahm.
In den Anfangsstunden hatte sich an der LMGT3-Spitze ein buntes Stelldichein entwickelt. Der Iron-Lynx-Mercedes, der Akkodis-Lexus und die beiden Proton-Ford-Mustangs wechselten sich vorn ab. Dempseys konsequente Mittphase schuf schließlich den entscheidenden Puffer. Eastwood musste in den letzten Minuten einen schleichenden Reifenschaden managen, hielt den Vorsprung aber auf den BMW #69 von McIntosh, Thompson und Harper, welche als zweites ins Ziel kam.
Den dritten Platz sicherte sich der Porsche #92 von Lietz, Shahin und Pera nach einem unterhaltsamen Schlussduell mit dem Ford #88. Jonny Edgar führt die Fahrerwertung der LMGT3 nun als alleiniger Spitzenreiter an.
Alle Ergebnisse vom Rennen gibt es hier zum nachlesen.
Will Stevens hat Cadillac beim Qualifying zu den 6 Stunden von São Paulo die Pole-Position gesichert. Zum zweiten Mal in Folge stellt Cadillac die komplette erste Startreihe am Autódromo José Carlos Pace. Für Stevens ist es seine erste WEC-Pole seit zehn Jahren.
Stevens ließ es bis zur letzten Runde offen. Erst auf dem finalen Umlauf des zehnminütigen Shootouts übernahm er die Führung von Aitken und sicherte sich so seine erste WEC-Pole seit einem Jahrzehnt. Hinter dem Cadillac-Duo klassierte sich Alpine als stärkster Verfolger. Victor Martins, in seiner Rookie-Saison in der Hypercar-Klasse bereits mehrfach aufgefallen, brachte den A424 auf nur 0,067 Sekunden an die Pole heran und sicherte sich Startplatz drei. Dries Vanthoor folgte im BMW#15 auf Rang vier, Charles Milesi komplettierte das Aufgebot als Fünfter.
Genesis Magma Racing setzte seine starke Form in Brasilien ebenfalls fort. Mathieu Jaminet brachte die #19 als Sechster ins Ziel – ein erneut respektables Ergebnis für das Team in seiner ersten WEC-Saison. Den besten Ferrari-Platz sicherte sich Antonio Fuoco im #50 auf Rang sieben. Titelverteidiger Antonio Giovinazzi mit der #51 verpasste die Hyperpole-Phase knapp. Noch härter traf es den aktuellen WM-Führer Toyota: Beide GR010 Hybrid schieden bereits im ersten Segment aus und starten im Rennen von den Positionen 14 und 16.
Pole und Streckenrekord für Aston Martin in der GT3
In der LMGT3-Klasse sorgte Kobe Pauwels für die größte Überraschung des Qualifyings. Der 21-jährige Belgier, für Heart of Racing im #23 Aston Martin, absolvierte erst sein zweites FIA-WEC-Wochenende – und dominierte das Shootout dennoch nach Belieben. Seine schnellste Runde markiert gleichzeitig die neue Streckenrekordmarke der Klasse am Autódromo José Carlos Pace.
Lin Hodenius sicherte dem Iron-Lynx-Mercedes #79 den zweiten Startplatz, 0,199 Sekunden hinter der Bestzeit. Clemens Schmid klassierte sich im #87 Lexus – dem Siegerauto des letztjährigen Rennens in Brasilien – auf Rang drei. Parker Thompson (WRT) und Ben Tuck (Proton Competition) lagen innerhalb einer Hundertstelsekunde dahinter auf den Plätzen vier und fünf.
Für Aston Martin bedeutete die Pole zugleich einen Serienrekord: Es ist der 72. Startplatz eins der Marke über alle WEC-Klassen hinweg – mehr als jeder andere Hersteller. Alle Ergebnisse vom Qualifying gibt es hier zum nachlesen.
In einer Solo-Reise nimmt Euch David in dieser Folge mit nach Watkins Glen und zum Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari. Was gibt es neues bei IMSA und ELMS? Wie steht es nach den letzten Rennen im Meisterschaftskampf und wie geht es in beiden Serie weiter?
Quick-Links
Die Probleme mit der Strecke in Watkins Glen: Link
Die Begeisterung über die 24 Stunden von Le Mans 2026 war noch frisch, als der Circuit de la Sarthe bereits seine zweite große Sportwagenveranstaltung des Jahres ausrichtete: die Premiere der „Le Mans Classic Legend“, die vom 3. bis 5. Juli stattfand.
Einst im Zweijahresrhythmus ausgetragen, ist die Le Mans Classic inzwischen zu einer jährlichen Veranstaltung geworden, bei der die Epochen der historischen Fahrzeuge von Jahr zu Jahr wechseln. Die Ausgabe 2026 markierte das Debüt der „Le Mans Classic Legend“, die sich den jüngeren Prototypen und GT-Rennwagen aus dem Zeitraum von 1976 bis 2015 widmete.
2027 steht mit der Rückkehr der „Le Mans Classic Heritage“ die nächste Ausgabe an, bei der Fahrzeuge aus den Jahren 1923 bis 1975 im Mittelpunkt stehen werden. Die Heritage-Edition nimmt die Fans mit auf eine Reise zurück in das goldene Zeitalter des Langstreckenrennsports – mit legendären Starterfeldern und einer unverwechselbaren Vintage-Atmosphäre.
Das Rennen erstreckt sich zwar über volle 24 Stunden, doch das Geschehen ist für jedes Starterfeld in mehrere Läufe unterteilt. Jedes Feld bestreitet drei separate Rennen, die zu unterschiedlichen Tageszeiten ausgetragen werden – von der Hitze der Nachmittagssonne bis zur legendären Dunkelheit auf dem Circuit de la Sarthe.
Nicht nur die Rennstrecke war voller legendärer Fahrzeuge; auch das Fahrerlager versammelte zahlreiche Schlüsselfiguren der modernen Langstreckenrenngeschichte. Die ehemaligen Audi-Verantwortlichen Dr. Wolfgang Ulrich und Ralf Jüttner waren ebenso vor Ort wie der 29-malige Le-Mans-Teilnehmer und Mazda-Legende Yojiro Terada.
Fans reisten zur Rennstrecke, um einige ihrer früheren Favoriten wieder in Aktion zu erleben. Insgesamt besuchten mehr als 150.000 Zuschauer die Veranstaltung im Laufe der Woche. Unser Fotograf Walter war vor Ort, um die Atmosphäre und die besonderen Momente einzufangen. Hier sind einige unserer Lieblingsbilder vom Wochenende:
Der Oreca #29 von Forestier Racing by Panis sicherte sich einen souveränen Sieg beim 4-Stunden-Rennen von Imola, dem dritten Lauf der ELMS. Für die Besatzung des Oreca #29 war es bereits der zweite Sieg im Jahr, wodurch der Titelkampf zur Saisonhalbzeit deutlich an Spannung gewinnt.
Das Rennen war von zahlreichen Zwischenfällen geprägt, die mehrere Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen auslösten. Fahrzeuge aus allen vier Klassen waren in die Vorfälle verwickelt.
Das französisch-britische Trio Louis Rousset, Esteban Masson und Oliver Gray lieferte sich über weite Strecken des Rennens einen engen Schlagabtausch mit dem Oreca #22 von United Autosports, pilotiert von Ben Hanley, Grégoire Saucy und Griffin Peebles. Zu Beginn der Schlussstints konnte sich der Oreca #29 dank frischerer Reifen entscheidend absetzen und den Sieg schließlich mit mehr als 50 Sekunden Vorsprung einfahren.
„Wir haben unglaublich hart für dieses Ergebnis gearbeitet. Ein großes Dankeschön geht an das gesamte Team aus Ingenieuren und Mechanikern“, sagte Masson nach dem Rennen. „Heute war unsere Strategie perfekt. Es war ein taktisches Spiel mit den anderen Teams, den richtigen Zeitpunkt für den Reifenwechsel zu finden, weil wir wussten, dass der Reifenverschleiß in Imola gering ist. Nach unserem Ausfall in Le Castellet ist es fantastisch, hier die maximale Punktzahl mitzunehmen.“
Mit Rang zwei verteidigte die Crew des Oreca #22 zwar die Führung in der Team- und Fahrerwertung, ihr Vorsprung ist jedoch bei noch drei ausstehenden Saisonrennen auf sechs Punkte geschrumpft. Den dritten Platz belegte der Oreca #25 von Algarve Pro Racing mit Jake Hughes, Matthias Kaiser und Tristan Vautier, die damit ihr erstes Podium der Saison feierten.
Dramatisches Finale in der LMGT3
Der Sieg in der LMGT3-Klasse ging an die Corvette #33 von TF Sport. Charlie Eastwood, Blake McDonald und Alec Udell feierten damit ihren ersten Saisonsieg. Nur knapp zwei Sekunden dahinter erreichte der Mercedes-AMG GT3 #62 von Team Qatar by Iron Lynx mit Abdulla Al-Khelaifi, Julian Hanses und Maxime Martin das Ziel – das Ergebnis allein spiegelt jedoch den spannenden Rennverlauf nicht wider.
Nach der letzten Boxenstoppserie führte zunächst der Porsche 911 GT3 R #54 von High Class Racing mit Anders Fjordbach, Jan Magnussen Moritz und Klaus Bachler. Das Team hatte sich entschieden, für den letzten Stint lediglich zwei neue Goodyear-Reifen zu montieren. Die Corvette #33 kehrte dagegen mit vier frischen Reifen als Vierte auf die Strecke zurück, während der Mercedes #62 auf Rang drei und der Porsche #75 auf Platz zwei lagen.
Maxime Martin überholte zunächst Tom Sargent im Porsche #75 und rückte auf den zweiten Platz vor. Kurz darauf zog Charlie Eastwood sowohl am Mercedes als auch am führenden Porsche vorbei und übernahm die Spitze. Martin schob sich anschließend ebenfalls auf Rang zwei vor, als der Porsche #54 zurückfiel. In der Schlussphase sicherte sich schließlich der Porsche #77 von Proton Competition mit einem Überholmanöver gegen den Porsche #75 den letzten Podiumsplatz.
CLX Motorsport siegt in der LMP3 – Rinaldi übernimmt die Tabellenführung
Der Ligier #17 von CLX Motorsport mit Paul Lanchere, Alex Jacoby und Louis Iglesias krönte ein perfektes Wochenende mit Pole-Position, schnellster Rennrunde und dem Sieg in der LMP3-Klasse.
Die amtierenden Meister verbesserten sich damit auf Rang drei der Gesamtwertung und liegen nun neun Punkte hinter dem Ligier #5 von Rinaldi Racing mit José Cautela, Mikkel Gaarde Pedersen und Alvise Rodella. Dank Platz zwei in Imola übernahm Rinaldi die Führung in der Meisterschaft.
Bei den 24h Spa beeindruckte Lionspeed GP mit einem überraschenden Sieg aus der Boxengassen. Wir arbeiten das Geschehen auf und Blicken auf die anstehenden Langstrecken-Events.
So etwas gab es selten bei einem 24-Stunden-Rennen. Nach einem Motorentausch musste Lionspeed GP hinter dem Feld aus der Boxengasse starten und schaffte das Unmögliche. Durch gutes Taktieren und starke Fahrer kämpfte sich das Team bis zum Gesamtsieg im Rennen vor (mehr dazu hier). Wir blick zurück auf das letzte große 24h-Event des Jahres.
Im zweiten Teil der Folge schauen wir voraus, denn die ELMS reist nach Imola und die WEC nach Brasilien. Alle Updates und Notizen zu diesen beiden Läufen haben wir für Euch im Gepäck.
Habt Ihr Fragen, Vorschläge und Ideen zur Sendung? Schreibt uns gern eine E-Mail an podcast@endurance-archive.de und wir nehmen diese in eine der nächsten Folgen mit auf.
Der Porsche von Lionspeed GP gewinnt die 24h Spa 2026 nach dem Start aus der Boxengasse und einer packenden Aufholjagd aus der Boxengasse.
Der 24-Stunden-Klassiker von Spa hat genau das geliefert, was dieses Rennen seit Jahren auszeichnet: ein unberechenbares Langstreckendrama, strategische Wendungen im Stundentakt – und am Ende eine Geschichte, die so eigentlich nicht schreibbar war.
Porsche-Comeback aus der Boxengasse
Lionspeed GP hat mit seinem Porsche die 24h Spa aus einer nahezu aussichtslosen Ausgangslage gewonnen. Nach einem Motorwechsel vor dem Rennen musste die Startnummer 80 aus der Box starten und fand sich zunächst am Ende des 69 Fahrzeuge starken Feldes wieder. Was folgte, war eine der beeindruckendsten Aufholjagden der jüngeren Spa-Geschichte. Ohne Fehler, mit kluger Strategie und konstanter Pace arbeitete sich das Trio Feller, Preining und Buus über Nacht nach vorne. In den Morgenstunden war dann klar, dass dieser Porsche um den Sieg fährt.
Die entscheidende Phase begann rund um die Zwei-Drittel-Distanz: Thomas Preining übernahm die Führung auf der Strecke, verlor sie zwischenzeitlich durch eine unglücklich getimte Neutralisation wieder, bevor Lionspeed GP sich über die Boxenstrategie endgültig an die Spitze setzte. In der Schlussphase kontrollierte das Team das Rennen und brachte Porsche den ersten Spa-Gesamtsieg seit 2020.
Mercedes konstant, Ferrari mit Reifenproblemen
Hinter dem Sieger zeigte die Mercedes-AMG mit der Startnummer 48 (Winward Racing) ein nahezu fehlerfreies 24-Stunden-Rennen. Ohne große Schlagzeilen, aber mit maximaler Konstanz hielt sich das Fahrzeug durchgehend in Schlagdistanz und sicherte sich Rang zwei. Ganz anders verlief das Rennen für AF Corse: Die #51 von Ferrari begann dominant von der Pole, fiel nach einem frühen Reifenschaden jedoch weit zurück.
In einem von zahlreichen Gelbphasen geprägten Rennen kämpfte sich das Auto Stück für Stück zurück in die Spitzengruppe. Mehrfach lag der Ferrari wieder in Führung oder griff danach, doch erneute Rückschläge – darunter weitere Reifenschäden und Zwischenfälle im Verkehr – verhinderten den ganz großen Wurf. Am Ende blieb Platz drei, wenn auch nur hauchdünn hinter dem Mercedes.
Ausfälle und Rückschläge prägen das Rennen
Wie so oft in Spa blieb kaum ein Topteam verschont. Früh sorgte eine Kollision im Feld für beschädigte Fahrzeuge, darunter mehrere Aston Martin und Audi. Auch die beiden Garage 59 McLaren, zwischenzeitlich klar auf Podiumskurs, fielen durch technische Probleme und Zwischenfälle zurück. Weitere prominente Ausfälle betrafen unter anderem Ford, den GetSpeed-Mercedes und mehrere BMW, die entweder durch Defekte oder Kollisionen Zeit verloren.
Abseits der Strecke setzten die 24h Spa 2026 jedoch Maßstäbe. Mit 132.000 Zuschauer gab es in diesem Jahr einen neuen Rekord zu vermelden. Die Parade durch die Stadt, ein volles Rahmenprogramm und zahlreiche Fan-Aktivitäten machten das Wochenende einmal mehr zu einem Festival des Langstreckensports. Der Star des Wochenendes heißt jedoch Lionspeed GP. Vom Start aus der Boxengasse zum Triumph gegen die stärksten GT3-Teams der Welt – diese Geschichte reiht sich nahtlos in die großen Spa-Momente ein.
Der FIA WEC Kalender 2027 ist da – und er hat es in sich. Silverstone kehrt nach Jahren zurück in den WEC-Kalender: Wir analysieren, warum das so lange gedauert hat, was die Bedingungen waren und was die Rückkehr nach Großbritannien für die Serie bedeutet.
Weiterhin sprechen wir über zwei überraschende Entwicklungen im Kalender: Wie sicher ist die Zukunft des Saisonfinales in Bahrain und warum ist der Circuit of the Americas (COTA) die neue Heimat für das US-Rennen? Außerdem: Ford hat in Le Mans 2026 sein finales Fahreraufgebot für 2027 präsentiert – wir ordnen ein, was das für die Pläne bedeutet. Abschließend geht es um Genesis, welche ein GT3-Concept mit ersten Details vorstellten.
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Prof. Wolfgang Henseler hat den Lotus Evora GTE zurück auf die Rennstrecken gebracht. Im Interview blicken wir mit Ihm hinter die Kulissen.
Der Lotus Evora GTE ist eines der außergewöhnlichsten GT-Fahrzeuge der modernen Langstrecken-Geschichte. 2011 in Rekordzeit für den International Le Mans Cup entwickelt, startete Chassis #1 bei den 24 Stunden von Le Mans und verschwand anschließend aus dem europäischen Motorsport. Heute sorgt Prof. Wolfgang Henseler dafür, dass der seltene Rennwagen wieder dort fährt, wo er hingehört: auf den legendärsten Strecken der Welt. Im Gespräch erzählt er von der bewegten Geschichte des Autos, den Herausforderungen bei der Wiederinbetriebnahme und den ersten Rennen in der Legends of Le Mans-Serie.
Herr Henseler, wie sind Sie überhaupt zu diesem besonderen Lotus Evora GTE gekommen?
Das war tatsächlich eine längere Geschichte. Nach seiner aktiven Karriere bei Lotus und später Alex Job Racing in der American Le Mans Series stand das Fahrzeug viele Jahre bei einem Händler in den USA. Über Komo-Tec ergab sich schließlich 2021 die Möglichkeit, das Auto zu erwerben. Für mich war sofort klar, dass dieses Fahrzeug etwas Besonderes ist. Es handelt sich um Chassis Nummer 1 der beiden 2011 in Le Mans eingesetzten Lotus Evora GTE.
Was macht den Evora GTE so einzigartig?
Viele denken zunächst, es sei einfach ein umgebauter Lotus Evora. Tatsächlich wurde das Fahrzeug 2011 in nur vier Monaten komplett neu entwickelt. Bis auf das Grundchassis hat praktisch nichts mehr mit dem Serienfahrzeug zu tun. Aerodynamik, Fahrwerk, Elektronik, Karosserie und Antrieb wurden speziell für den GTE-Einsatz entwickelt. Die komplette Karosserie besteht aus Carbon, angetrieben wird das Auto von einem auf Toyota-Basis aufgebauten und von Cosworth weiterentwickelten V6-Saugmotor. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Rennfahrzeug mit einem wirklich brachialen Klang.
Das Auto startete 2011 bei den 24 Stunden von Le Mans. Welche Rolle spielte es damals?
Lotus trat damals gemeinsam mit dem österreichischen Team Jet Alliance im International Le Mans Cup an. Unser Auto trug die Startnummer 64. Leider endete das Rennen durch einen Felgenschaden und den daraus resultierenden Unfall in den Morgenstunden vorzeitig. Das Schwesterfahrzeug mit der Nummer 65 erreichte jedoch das Ziel und belegte Platz sieben in der GTE-Klasse. Angesichts der extrem kurzen Entwicklungszeit war das ein bemerkenswerter Erfolg.
Nach dem Kauf stand das Auto zunächst einige Jahre still. Warum dauerte die Rückkehr auf die Rennstrecke so lange?
Wir haben das Fahrzeug nach der Ankunft zunächst technisch überprüft, den Motor auf dem Prüfstand abgestimmt und erste Rollouts in Hockenheim und am Nürburgring absolviert. Das eigentliche Problem war jedoch, eine passende Rennserie zu finden. Für ein ehemaliges GTE-Fahrzeug dieser Generation gab es lange Zeit keine wirklich geeignete Plattform. Deshalb stand der Lotus sogar in der „100 Jahre Le Mans“-Ausstellung im Technik Museum Sinsheim. Erst mit der Einführung der Legends of Le Mans-Serie durch Peter Auto ergab sich endlich die Gelegenheit, das Auto wieder artgerecht einzusetzen.
Wie aufwendig war es, den Lotus wieder rennbereit zu machen?
Deutlich aufwendiger als erwartet. Wir mussten feststellen, dass unglaublich viele Details überarbeitet werden mussten. Das Team von Komo-Tec um Daniel Koblitschek hat praktisch Tag und Nacht gearbeitet, um das Auto rechtzeitig für die ersten Testtage in Paul Ricard vorzubereiten. Diese beiden Testtage waren enorm wichtig, um Daten zu sammeln und die Technik wieder unter Rennbedingungen zu erproben.
Das erste Rennwochenende führte Sie nach Imola. Wie war das Comeback?
Für mich persönlich war es gleich eine doppelte Herausforderung, weil ich die Strecke noch nie gefahren war. Gleichzeitig war es der erste Renneinsatz des Lotus seit 2012. Schon in den Trainings wurde deutlich, wie groß die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen unserem GTE-Fahrzeug und den modernen LMP1- und LMP2-Prototypen sind.
Im Rennen selbst hatten wir einige spannende Momente. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein beinahe schwerer Unfall im Training, als sich ein Peugeot LMP1 unmittelbar vor meinem Auto drehte. Im zweiten Rennen wurden wir dann sogar noch vor dem Start von einem LMP2-Fahrzeug getroffen. Dank des großartigen Einsatzes meines Teams konnten wir trotzdem starten.
Trotzdem sprang am Ende ein Podiumsplatz heraus.
Ja, das war für uns eine schöne Belohnung. Im ersten Rennen erreichten wir Platz zwei in der GTE-Klasse. Im zweiten Rennen lagen wir zeitweise sogar vor unserem direkten Konkurrenten, einem deutlich jüngeren Aston Martin Vantage GTE. Leider bekamen wir später Getriebeprobleme, konnten das Auto aber ins Ziel bringen. Insgesamt war Imola für uns ein sehr positives Wochenende.
Besonders bemerkenswert scheint die Resonanz aus dem damaligen Lotus-Umfeld gewesen zu sein.
Absolut. Das hat uns wirklich überrascht. In Imola besuchte uns plötzlich Nicola Scimeca von YCOM, der damals maßgeblich an der Entwicklung des Evora GTE beteiligt war. Kurz darauf kam auch Claudio Berro vorbei, der frühere Motorsportdirektor von Lotus. Seit wir das Auto wieder einsetzen, stehen wir mit vielen Personen von damals in Kontakt – von Lotus über Cosworth bis zu den ursprünglichen Entwicklungspartnern. Überall spüren wir große Begeisterung darüber, dass dieses Auto wieder fährt.
Auch vor Spa-Francorchamps blieb es nicht ruhig.
Leider nein. Nach Imola mussten wir feststellen, dass das Getriebe erheblich beschädigt war. Ersatzteile für ein derart seltenes Fahrzeug zu finden, ist heute alles andere als einfach. Glücklicherweise konnten wir auf die Unterstützung der National Motorsport Academy in Nottingham zurückgreifen, die mit dem Schwesterfahrzeug verbunden ist und noch über originale Ersatzteile verfügte. Dank eines großen Kraftakts war das Auto rechtzeitig für Spa wieder einsatzbereit.
Wie verlief das Wochenende in den Ardennen?
Zunächst sehr positiv. Das Auto funktionierte hervorragend und wir konnten die Performance Schritt für Schritt steigern. Im Qualifying lagen wir schließlich weniger als drei Sekunden hinter dem deutlich moderneren Aston Martin.
Im ersten Rennen brach allerdings ein Auspuffrohr, was weitere technische Probleme nach sich zog. Trotzdem schafften wir es ins Ziel. Über Nacht arbeitete das Team erneut bis in die frühen Morgenstunden, um das Auto für Rennen zwei vorzubereiten. Dort lief dann alles nach Plan und wir konnten erneut Platz zwei in der GTE-Klasse einfahren.
Nun steht mit der Le Mans Classic das Saisonhighlight bevor. Was bedeutet dieses Rennen für Sie?
Sehr viel. Le Mans ist schließlich die Heimat dieses Autos. Für die Veranstaltung möchten wir den Evora GTE möglichst originalgetreu in seinem blau-weißen Design von 2011 präsentieren. Wir haben dafür originale Karosserieteile beschafft, die derzeit vorbereitet und lackiert werden. Wenn alles klappt, wird das Auto optisch fast genauso aussehen wie bei seinem ursprünglichen Le-Mans-Einsatz.
Was fasziniert Sie an der Legends of Le Mans-Serie?
Die Serie trifft genau den Nerv der Fans. Man erlebt dort die großen Le-Mans-Jahrgänge der Jahre 2011 bis 2015 noch einmal live. Die Autos sind laut, schnell und spektakulär. Gleichzeitig findet alles im Rahmen der aktuellen FIA WEC statt. Diese Verbindung aus Historie und Gegenwart funktioniert hervorragend.
Abschließend: Was bedeutet Ihnen dieses Projekt persönlich?
Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Ein Fahrzeug mit einer solchen Geschichte wieder auf die Rennstrecke zu bringen, ist etwas ganz Besonderes. Ohne die Unterstützung von Komo-Tec und vieler Enthusiasten wäre das nicht möglich gewesen. Der Lotus Evora GTE gehört nicht ins Museum – er gehört auf die Rennstrecke. Und genau dort wollen wir ihn auch in Zukunft zeigen.